Beirat Unternehmensführung
im Handwerk

Individualisierung und Kundenverhalten

Moderne Handwerkskunden sind digital informiert, anspruchsvoll und serviceorientiert. Handwerksbetriebe, die darauf reagieren, digitalisieren ihre Prozesse, kommunizieren aktiv und bieten kundennahe Lösungen an.
Orthopädieschuhmacher

Moderne Handwerkskunden sind digital informiert, anspruchsvoll und serviceorientiert. Sie suchen individuelle Lösungen, wollen mitgestalten und mitgenommen werden. Kunden erwarten eine schnelle Kontaktaufnahme und Rückmeldungen, Transparenz über die Leistungen und Verbindlichkeit im Umgang. Sie möchten möglichst wenig Koordination selbst übernehmen und bevorzugen Komplettlösungen. Nach den Erstkontakten ist eine individuelle, personalisierte Beratung erwünscht, ebenso wie vielfach nachhaltige Lösungen bevorzugt werden.

Handwerksbetriebe, die darauf reagieren, digitalisieren ihre Prozesse, kommunizieren aktiv schon auf ihren Websites und Social-Media-Kanälen und bieten kundennahe Lösungen an. Erfolgreiche Betriebe kombinieren traditionelles Qualitätshandwerk mit modernen Geschäftsmodellen – oft sichtbar auf professionellen, funktionalen Websites.

Worauf es ankommt:

1. Maßgeschneiderte Leistungen und Co-Kreation

Trend:  Auf Kundenseite verstärkt sich die Nachfrage nach individuellen und individualisierbaren Produkten und Leistungen. Zudem möchten Kunden im Planungs- und Gestaltungsprozess stärker eingebunden werden, viele wollen von der Idee bis zum Umsetzungskonzept auch mit Hilfe von digitalen Tools schon aktiv mitgestalten (z.B. Konfiguratoren, 3D-Visualisierung, Online-Planung).

Bedeutung fürs Handwerk: Digitale Planungstools, Visualisierungen oder Konfiguratoren helfen, Kundenwünsche greifbar zu machen und maßgeschneiderte Lösungen effizient umzusetzen. Sie binden Kunden direkt ein, schaffen Transparenz über Möglichkeiten und erhöhen die Zufriedenheit durch frühzeitige Mitgestaltung. 

Beispiel 

Schreinerbetriebe bieten online einen Möbelkonfigurator an, in dem Kunden Maße, Holzart und Stil selbst festlegen können. https://deinfreund.de/     https://www.pickawood.com/de/holzconnection

2. Kundenkommunikation: Digital, personalisiert und jederzeit

Trend: Kunden vergleichen die Service-Erfahrung mit digitalen Plattformen (Amazon, Lieferdienste etc.). Sie erwarten auch im Handwerk zunehmend eine durchgehende 24/7-Erreichbarkeit sowie eine schnelle, unkomplizierte und digitale Kontaktaufnahme und Kommunikation.

Bedeutung fürs Handwerk: Betriebe müssen digital auffindbar und jederzeit erreichbar sein, um den Erstkontakt und danach eine schnelle, persönliche Kontaktaufnahme zu ermöglichen.

Beispiele 

Ein Dachdeckerbetrieb nutzt den "Vertriebsbutler", einen digitalen Doppelgänger des Firmeninhabers, der Kundenanfragen automatisch und interaktiv beantworten kann. https://www.dachdeckerei-walther.de/

Ein Haustechnik-Betrieb setzt in der Kundenbetreuung auf die smarte Voicemail. Das KI-Tool zur Annahme und Organisation von Anrufen kann nicht nur AB-Funktionen übernehmen, sondern auch über WhatsApp mit Kunden in einen Austausch treten. Es erfragt Schritt für Schritt die konkrete Störung, gibt intelligente Überprüfungshinweise oder leitet erste Sicherungsmaßnahmen an. https://www.pucher-haustechnik.de/

3. Die alternde Gesellschaft

Trend: Schon heute ist fast jeder fünfte Mensch in Deutschland über 65 Jahre alt – Tendenz steigend. Ältere Menschen bestimmen immer stärker die Nachfragestrukturen. Dabei zeigen sie tendenziell eine stärkere Konsumpräferenz für Handwerksleistungen.

Bedeutung fürs Handwerk: Betriebe, die sich auf ältere Personengruppen spezialisieren, können ihr Geschäftsmodell erweitern oder sogar ganz darauf fokussieren, wenn sie sich mit Kundenbefragungen und Weiterbildungen auf die Lebensbedürfnisse der Älteren anpassen  und zusammenarbeiten.

Beispiele

15 unterschiedliche Gewerke arbeiten in der Initiative „Pluspunkt Handwerk“ zusammen, um älteren Personengruppen zertifiziert und weitergebildet ein Plus an Beratung und eine in Preis und Service verlässliche Leistung anzubieten. Der Fokus liegt auf barrierefreien Umbauten (https://60plus-handwerker.de/).

In enger Zusammenarbeit zertifizieren der Kreisseniorenrat und die Kreishandwerkerschaft Böblingen sowie das DRK seniorenfreundliche Handwerksbetriebe, die sich einer Weiterbildung unterziehen und mehrere Kriterien erfüllen müssen (https://kreisseniorenrat-boeblingen.de/projekte/wohnen-im-alter/seniorenfreundliche-handwerksbetriebe/)

4. Kunden wollen Komplettlösungen aus einer Hand

Trend: Viele Kunden wollen keine Einzelgewerke koordinieren. Sie wünschen sich integrierte Services, Komplettlösungen und einen zentralen Ansprechpartner. Der Trend zu Gesamtlösungen ermöglicht neue Geschäftsmodelle und erfordert neue Netzwerke, in denen Betriebe gewerkeübergreifend zusammenarbeiten.

Bedeutung fürs Handwerk: Unternehmen profitieren, die ihre Leistungspalette hin zu serviceorientierten Geschäftsmodellen entwickeln, bei denen der Fokus auf der Bereitstellung von Gesamtlösungen liegt. Chancen bieten sich aber auch, indem sich  Handwerksbetriebe zu Generalunternehmen entwickeln oder sie sich Gewerkenetzwerken anschließen. Digitale Plattformen sind eine zukunftsweisende Möglichkeit, um diese Kooperationsleistungen für Kunden sichtbar und bequem zugänglich zu machen. 

Beispiele

Ein Malerbetrieb bietet Maler-, Stuck- sowie Trockenbauarbeiten und den Gerüstbau  aus einer Hand an (www.maler-steiert.de).

Handwerksbetriebe schließen sich in einem Qualitätsverbund zusammen und bieten Leistungen in vielen unterschiedlichen Gewerken anvon der Leistung des einzelnen Gewerks bis hin zu Komplettrenovierungen, energetischen Sanierungen und Wärmedämmungen (https://www.arta.de/unternehmen/arta-die-marke-im-handwerk
(https://www.handwerk-leverkusen.de/ )

5. Nachhaltige und regionale Nachfrage

Trend: Das Verhalten von Handwerkskunden verändert sich zunehmend in Richtung Nachhaltigkeit und regionale Nachfrage von Produkten mit hohen Qualitätsstandards. Sie legen heute mehr Wert auf umweltfreundliche Materialien, regionale Wertschöpfung und transparente Lieferketten. 

Bedeutung fürs Handwerk: Betriebe, die diese Trends aufgreifen, können sich deutlich vom Wettbewerb abheben und neue Zielgruppen erschließen. Die Zukunft gehört denen, die ökologische und regionale Verantwortung glaubhaft übernehmen. Dazu muss Nachhaltigkeit authentisch gelebt werden und Herkunft der Materialien, Produktionsprozesse und Energieverbrauch sind offen zu kommunizieren.

Beispiele

Seit Anfang der 80er-Jahre ist das Familienunternehmen Baufritz aus dem Allgäu im Bereich nachhaltiges Bauen unterwegs. In der gesamten Branche gilt es als Vorreiter beim ökologischen Holzbau, aber auch bezüglich der Kreislaufführung von Materialien und Energieeffizienz (https://uih.zdh.de/modernes-handwerk/nachhaltigkeit-im-handwerk/nachhaltigkeit-fuer-eine-erfolgreiche-betriebsstrategie/).

Das Berliner Gerüstbauunternehmen Ro² bemüht sich umfangreich um Ressourcenschutz: Eine hybride Dienstwagenflotte, ein papierloses Büro oder die Bienenhaltung auf dem Betriebsgelände sind nur einige Maßnahmen, die Ro² seit einigen Jahren unternimmt, um sich nachhaltig auszurichten. Der erste Erfolg war die Zertifizierung als klimaneutrales Unternehmen durch die DEKRA. www.ro2-geruestbau.de/ro2-ohne-co2